(19-01-2025, 16:49)drusus.lucius schrieb: Also finbar
... Habe ich das richtig verstanden? Der Mad Scientist verwendet einen dickeren Draht und verringert die Anzahl der Wicklungen, richtig?
Gruß Lutz
Hallo Lutz,
ich lese gerade mit Interesse euren Thread.
Habe früher selber (relativ) gut gehende Gleichstrom-E-Anker für RC-Car-Wettbewerbsmotoren gewickelt.
Aber an so kleine Anker habe ich mich noch nicht herangetraut.
Meine Erfahrung aus dem RC-Car Bereich ( für 7,2 und 8,4V bei sehr leistungsfähigen Hochstrom-Akkus):
Wichtiges Nebenkriterium wegen der nunmal begrenzten Kapazität eines Akkus, gleichzeitig so zu wickeln, dass der Wirkungsgrad so hoch wie möglich wird.
Da wir beim Slotten ja mit konstanter Festspannung fahren, ist ein optimaler Wirkungsgrad nicht ganz das alleroberste Gebot.
Für wirklich gute Motoren muss beim Wickeln alles stimmen.
Es fängt damit an, den für die Fahrspannung und das Gewicht des Fahrzeugs optimalen Drahtquerschnitt zu finden und dann soviel Draht wie möglich drauf zu wickeln.
Was viele Versuche mit (wichtig!) konstanter Zugkraft beim Wickeln (Anzahl der Windungen mitzählen und notieren, muss an allen drei Segmenten gleich sein!) der einzelnen Ankersegmente benötigt. Wenn das erste Ankersegment nur eine oder 2 Wicklungen zuviel hat, bekommst du das 2. vielleicht noch gleich voll, aber beim 3. reicht der verfügbare Platz nicht mehr und du kannst das komplette Teil wegwerfen oder wieder abwickeln und neu ansetzen mit einer etwas reduzierten Windungszahl. Im Umkehrschluß, wenn man zu wenige Windungen drauf bringt, verschenkt man Motorleistung.
Dabei kann man viele viele Nächte verbringen...
Wenn man es aber nach vielen Versuchen geschafft hat, einen
maximal vollen Anker mit gleicher Windungszahl an jedem Pol zu wickeln, und
dabei hochwertigen Draht mit hitzebeständigem Lackschutz verwendet hat, dann hat man ein richtiges Biest, an dem man bei etwas Pflege lange Freude hat.
Solche Wicklungen haben immer
viel Drehmoment gebracht und jedes Beschleunigen war entsprechend "schonender" im Aussaugen des Fahrakkus. Heißt, man hatte Power über die volle Renndistanz und konnte so manchen harten Gegner gegen Rennende sogar noch überrunden.
Zu deiner Frage:
Beim
dickeren Draht veringert sich automatisch die Anzahl der Windungen, da der Anker ja nur einen beschränkten Platz für den Draht bietet. Weniger Windungen bei dickerem Draht, dass
bringt mehr Drehzahl bei höherem Stromfluss. Das Drehmoment sinkt aber, kann man in gewissen Grenzen kompensieren durch eine dem entgegen wirkende Getriebe-Übersetzung.
Bei
dünnerem Draht bekommt man
mehr Windungen drauf, was ein
höheres Drehmoment bringt und eine niedrigere Stromaufnahme. Zu dünn heißt, zu wenig Motorleistung.
Das Optimum einer Top-Wicklung (Konsenz aus Drahtdurchmesser und Anzahl der Windungen)
liegt irgendwo dazwischen, je nach Bahn-Charakteristik und/oder Übersetzung.
Eine Top-Wicklung bei maximal gefülltem Anker erkennst du auch daran, dass zum Auswuchten keine oder nur noch ganz kleine Rundlauf-Optimierungen am Anker nötig sind.
Empfehle dir auch, bevor du soviel Mühe in einen Anker steckst selbigen genau zu prüfen:
Ankerwelle gerade? Unwucht nahe null? Rundlauf Kollektor einwandfrei? Oberfläche des Kollektors auch in Ordnung? Ist er noch frei von Auswuchtbohrungen in den Blechlamellen?
Beim maschinellen Wickeln werden nicht so vielen Windungen aufgewickelt (es sei den, es gibt heute stark verbesserte Fertigungsverfahren), um sicherzustellen das der 3. Pol noch genügend Raum bietet, den Anker relativ gleichmäßig voll zu bekommen. Kein Hersteller will auch noch den Anker auswuchten müssen, nur weil seine Wicklung so ungleichmäßig ist, es sie denn, er macht es auf Mehrpreis.
Ich habe damals viele handelsübliche Motoren abgewickelt, die Drähte und die Anzahl der Windungen miteinander und mit den praktischen Fahrleistungen verglichen. Aufbauend auf diesen Basiswerten habe ich mir dann Zielwerte gesetzt. Bei jedem der maschinell gewickelten Anker habe ich bei gleichem Drahtdurchmesser immer noch etliche Windungen mehr drauf bekommen, also mehr Leistung durch höheres Drehmoment und einen höheren Wirkungsgrad erzielt.
Allerdings habe ich in pro Woche höchsten 1-2 Ankerwicklungen geschafft.
Danach brauchte es meist mehr als eine Woche, bis die Einschnitte durch das extreme Drahtziehen um die Polsegmente herum wieder an der rechten Hand wieder verheilt waren.

Geht sowieso nur von Hand um den Schutzlack der Drähte nicht durch die Ecken und Kanten des Ankers zu beschädigen.
Hatte es mit verschiedenen Handschuhen versucht, aber da ging das Gefühl für den Draht und die konstante Zugspannung verloren.
Wenn du da tiefer einsteigen möchtest, empfehle ich, nimm einen von deinen richtig guten Motoren (nicht den allerbesten, so weh darf es nicht tun

), schau dir den Kollektor an, ob noch eine längere Laufleistung erwartbar ist und wickle ihn vorsichtig ab. Mache vorher ein paar Fotos (Nahaufnahmen) um später deine Wicklungs-Handschrift damit zu vergleichen.
Zähle und notiere dir die Anzahl der Windungen und die Drahtstärke.
Die Ankerstege aussen ggf. minimal verrunden, dann sind die ersten Windungen nicht so sehr kurzschlussgefährdet.
Und teste das Wickeln vorher sinnvollerweise an einigen alten Motoren, damit du für den guten Anker das richtige Gefühl hast.
War jetzt auch für mich mal wieder richtig schön, sich an ein paar Einzelheiten aus einer richtig tollen Zeit zu erinnern.
BG
Hebi
"... beim Beschleunigen müssen die Tränen der Ergriffenheit waagerecht zum Ohr abfließen" Walter Röhrl
- Wer später bremst, fährt länger schnell -