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Diese eine Farbe...
#21
Der rote Benz hat bewiesen, dass es noch eine bemerkenswerte Nachfrage nach seltenen Farben gibt. In Reuthenburg änderte sich die Wertschätzung für den gelben Ferrari in kleinen, schmerzhaften Etappen. Es ging los mit der Einstellung der drei Weber Doppelvergaser. Der Leerlauf wurde zusehends unrunder und der Wagen begann nach unverbranntem Sprit zu stinken. Nicht so tragisch für unseren Jogi, wohl aber für seine wechselnden weiblichen Begleitungen. Ganz schlimm wurde es, als Renate nach der Einstellung der Liegesitze fragte und anmerkte, dass der Gerhard seinen Opel Rekord in einer Minute in eine Spielwiese verwandeln kann. Mit den Vergasern ist der amtliche Ortsschrauber Benno nicht wirklich weiter gekommen - irgendwie nachvollziehbar so ganz ohne Internet und Werkstatthandbuch.

   



Doch der eigentliche Hammer kam im Frühjahr 70....
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#22
Cooler Kühler-Laden Cool .

Heiße Story, bin gespannt, auf den "Hammer" ...
ciao michaelo
... und wer zuletzt aufgibt gewinnt.
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#23
Im Frühjahr 70, ziemlich genau am 1.April stellte Reuthenburg seine neue Busflotte vor: "Innovativ, modern und frisch!!". Und daher in brilliantgelb - in klarer Abgrenzung zum früheren Elfenbein und auch zu Postgelb. Ausserdem wurde die Fläche innerhalb des  Inneren Ringes, immerhin so gross wie zwei Fussballfelder, zur "City" umbenannt. Jogi liess sich offiziell nichts anmerken, aber die Reaktion der Schulkinder am Busbahnhof konnte man nicht ignorieren. Hätte es Smartphones und Social Media gegeben, wäre Jogi mit seinem 250 GTB genau dort gelandet. Stattdessen nur Gelächter, Schenkelklopfen und Fingerzeige. "Hey halt an, ich hab ne Monatskarte!".

   

Den Todesstoss gab dann ein Streit mit seiner Lieblingsbardame Uschi vor den Gästen: "Brauchst mich heute nicht nach Hause fahrn! Ich nehm den Bus. Da komm ich genauso gelb an aber wenigstens bequem!!!".

Jogi musste jetzt schnell handeln...
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#24
Big Grin Wunderbar!
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#25
Am Wochenende nach dem Vorfall mit Uschi in der Bar verbrachte Jogi einen entspannten Nachmittag mit Renate am Reuther Weiher. 

   


Renate arbeitete auch in der Bar, war etwas älter als die Uschi und nahm es nicht so genau, wer jetzt gerade mit wem geht. Doch obwohl Renate wirklich alles für eine echte Tiefenentspannung unternahm, wollte sich diese bei Jogi nicht einstellen. Das Gelb seines Ferrari sass wie ein Stachel im Fleisch und er fühlte sich entehrt. Fieberhaft ratterte es in seinem Kopf. 'Welchen Wagen kann ich jetzt als Nachfolger bringen?'. Die Auto Motor und Sport am Kiosk brachte zunächst auch keine Inspiration. 

      
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Uschi fehlte ihm mehr als er zugeben wollte. Sie war etwas Besonderes. In Stuttgart hatte man sie in der Fußgängerzone in seinem Beisein auf einen Modeljob angesprochen, aber Uschi hatte cool abgelehnt. Sie war nämlich auch ziemlich schlau und hatte sehr gute Noten in der Schule, ohne gross lernen zu müssen. Dann kam sie als die Tochter des Schornsteinfegers auch noch aus sehr behüteten Verhältnissen. Dem Opa gehörte der Landgasthof zum Bären und den Job in Jogis Bar absolvierte mit einer entspannten Natürlichkeit, die sich auf die Gäste übertrug. Uschi war eine angehende Powerfrau und er hatte es vermasselt. "Du weisst aber schon, dass die Uschi auf Orange steht", säuselte Renate betont beifällig, als Jogi etwas länger bei einer blauen Alpine in der AMS verharrte.

Der Ferrari ward fortan nicht mehr gesehen in Reuthenburg. Kumpel Hanno hatte sich bereit erklärt, "die Karre" in seiner Scheune im Wald unter zu stellen - ohne Haftung. Dort verliert sich die Spur des gelben Ferrari bis er Jahrzehnte später auf einmal im internationalen Auktionsgeschäft wieder auftauchte...

   

Doch wie hat Jogi seine Mobilität optimiert? Schwierige Geburt! Als DER lokale Bar- und Diskothekenunternehmer kam ein Normaloauto nicht in Betracht. Übergangsweise musste ein schwarzer Diplomat aus Benno's Bestand herhalten - sehr dezent getuned durch zwei 10 mm Löcher im Endschalldämpfer, die sich im Zweifel schnell mit Blechschrauben verschließen lassen. Doch dieser Opel war nicht einzigartig genug in Reuthenburg, denn Schlachtermeister Dürr fuhr das gleiche Modell in beige. Immer so blitzblank geputzt, dass Jogi mit seinem Schwarz auf Dauer ziemlich viel Aufwand hätte treiben müssen, um sich abzusetzen. Außerdem vermittelte das Auto irgendwie bluesartige Vibes und Jogi war eher der Discotyp.

   

Alle möglichen Optionen wurden geprüft. 911er? Hat schon der Zahnarzt! 280 SE? Fährt der Notar! SL Cabrio? Potthässlicher Nachfolger weiss nicht zu gefallen Dodgy  Sonderangebot 280 SE Coupé in Mittelblau aus Spanien? Bereits vergeben an Landgräfin von und zu Reuthenstein-Wittlingen, die gerne persönlich in die City fuhr, um publikumswirksam und volksnah zur Post und auf den Markt zu gehen! Der Mercedes wäre optimal, doch dann gäbe es Komplikationen mit der Landgräfin - soviel war sicher.

           

Eines Tages, der Diplomat war gerade wieder mit einer gräulichen Staubschicht bedeckt und hing etwas durch, weil Jogi noch schnell eine größere Menge Tri Top, Bacardi und Asbach für die Bar geladen hatte, machte Jogi einen Abstecher ins Villenviertel der Großstadt, um dort eine neuartige transistor gesteuerte Lichtorgel für die Bar abzuholen - gebraucht und günstig. 

Gepflegte Vorgärten, schicke neu gebaute Villen, "dahin geht die Reise in diesem Land" sagte Jogi zu sich selbst und malte sich aus, in ein paar Jahren auch so zu residieren. Just in diesem Moment sprang ein oranges Objekt ins Auge. Ein Auto in der Garageneinfahrt. BMW Coupé - zu Verkaufen! Wie neu!!! Jogi scannte in Sekunden die Autoszene in Reuthenburg und kam zum Ergebnis, dass niemand ein oranges BMW Coupé fuhr und dass der farbliche Abstand zu Müllabfuhr und Busbetrieb gross genug war. "Du weisst aber schon, dass die Uschi auf Orange steht", schoss es ihm durch den Kopf!

Es öffnet Architekt Bodo Gerlinger im schwarzen Rollkragenpullover mit passender Hornbrille. "Habe mir einen brillantgelben Neunelfer bestellt, daher der Verkauf. Der BMW ist das ältere zeitlose Modell, was für Kenner - scheckheftgepflegt, erst 21.000 km." Die Probefahrt verläuft sehr angenehm und Jogi nimmt erfreut zur Kenntnis, dass die Sitze sich bei diesem Gran Tourismo schnell in eine Liegewiese verwandeln lassen. Zusammengefasst: Orange (Uschi), Top Zustand, Einzigartig in Reuthenburg, deutsches Auto! (Uschis Vater), Liegewiese (Renate) und etwas Understatement = Deal. 

"In Reuthenburg sollten Sie Obacht geben mit Ihrem gelben Porsche!", mit diesem gut gemeinten Ratschlag stieg Jogi ein paar Tage später in seinen BMW und Benno brummelte mit dem Diplo hinterher.

In Gedanken begegnete er sich selbst auf der Landstrasse - und ja - es war für einen Unternehmer seines Standes mehr als ok in einem top gepflegten orangen BMW Coupé auf einen müffelnden und etwas ruppig laufenden Ferrari 250 GTO in gelb zu treffen, dessen Zeit unwiederbringlich vorbei war.

   

Es waren jetzt 4 Wochen vergangen seit dem Vorfall mit Uschi...
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#26
Moin Fallerista,

wieder Mal eine feine Geschichte Smile , aber ...
(05-09-2026, 15:57)Fallerista schrieb: Das Gelb seines Ferrari sass wie ein Stachel im Fleisch ... "Du weisst aber schon, dass die Uschi auf Orange steht",
... ein oranges Objekt ins Auge. Ein ... BMW Coupé - zu Verkaufen!
... du weißt schon, dass Ulrich den BMW in gelb sucht, oder?
ciao michaelo
... und wer zuletzt aufgibt gewinnt.
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#27
Klaro, aber ist sich Ulrich der von gelben Bussen ausgehenden Gefahr bewusst?
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