Und ich bin immer noch nicht durch, erst knapp am Ende von Band 2. Mal sehen, ob der "Sommer" ausreicht" .
Was mich noch interessiert, ist die Auflage der einzelnen Fahrzeuge und Typen und wie die Einschätzung der Seltenheit dadurch beeinflußt wird. Oder habe ich was übersehen?
ciao michaelo ... und wer zuletzt aufgibt gewinnt.
Servus Michaelo,
das dürfte ziemlich unwahrscheinlich sein, dass hierzu noch Zahlen vorliegen. Faller hat schon Ende der 80er Jahre, also kurz nach Einstellung des a-m-s-Programms, keine Fragen mehr beantworten können. Was bekannt ist, dass die ersten 6 Modelle nur relativ kurz produziert wurden und bald durch aktuellere Typen ersetzt wurden, wie z. B. Kapitän -> Diplomat, MB220 -> MB300SE, 17M Badewanne -> 17M/20M, Porsche 356 -> Porsche 911 usw. Bei den Farben wird es ja noch komplizierter. Anscheinend wurden die Farben mehr nach Pi-mal-Daumen angerührt, darum so viele Nuancen. Und manchmal wurden alte Farbreste aus dem vorigen Produktionsvorgang offenbar nicht entfernt, sondern einfach eine andere draufgekippt. Darum gibt es an und zu marmorierte Modelle. Ich hab in meiner Sammlung eine Farbvariante, die in der Enzyklopädie (noch) nicht enthalten ist.
Ich habe vor einigen Tagen meine Buchserie auch bei der Post abgeholt. Ist ja gewaltig, welche Tiefe diese AMS-Trilogie aufweist. Da kommt mir meine eigene Sammlung ziemlich unbedeutend vor. Da wird wirklich jede Farbnuance aufgelistet, so dass einem schwindlig wird. Die Varianten werden fast ins uferlose aufgeführt. Da muss jeder für sich selber entscheiden, wo der Wahnsinn durchbricht. Als Nachschlagwerk absolut genial. Danke Sebastian, für dieses epische Werk.
Was mir auffällt: zahlreiche Farbvarianten in unzähligen Varianten - und doch kann ich eigene Fahrzeuge nicht eindeutig zuordnen. Ich habe zum Beispiel einen Typ4-VW-Käfer, den man nach alter RAL-Tabelle am ehesten mit ‚himmelblau 5015 (einen Tick heller) einstufen würde. In der Thieme-Bibel finde ich keine befriedigende Übereinstimmung. Das ist beileibe kein Vorwurf oder Mangel. Es zeigt einfach, dass praktisch jede Charge von der andern unterscheiden konnte. Für Sammler eine unmögliche Ausgangslage. Es kann sich jeder mit Fug und Recht fragen: wo ziehe ich die Grenzen.Sebastian und Holger haben es uns Sammlern nicht einfacher gemacht.
30-08-2025, 13:49 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 30-08-2025, 13:53 von Ulrich.)
Ich denke, man kann davon ausgehen, dass Farben und/oder Reste nach dem Zufallsprinzip zusammengekippt wurden. Wenn "Rot" angesagt war oder "Blau" hat man wohl angemischt was in etwa passte.
Die Autoren haben akribisch geforscht, können aber "das Weltmeer" nicht zur Gänze ausloten.
31-08-2025, 09:10 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 31-08-2025, 09:28 von Sytronic47.)
Hallo Zusammen,
ich mag in Kürze noch Rückmeldung zu allen tollen Beiträgen geben, danke vorab Da ich die letzten Wochen nach der Geburt unserer Zwillinge (Kind 3+4) dann doch etwas eingespannt war, komme ich so langsam mal wieder in Richtung Hobby
Viele Grüße,
der Seb
(30-08-2025, 13:49)Ulrich schrieb: Ich denke, man kann davon ausgehen, dass Farben und/oder Reste nach dem Zufallsprinzip zusammengekippt wurden. Wenn "Rot" angesagt war oder "Blau" hat man wohl angemischt was in etwa passte.
Die Autoren haben akribisch geforscht, können aber "das Weltmeer" nicht zur Gänze ausloten.
Lieber Ulrich,
dieses eine "Mysterium" des Farben zusammenkippens und diesem "Ruf", dem man den Faller-Produkten damit aufgedrückt hat über die letzten Jahrzehnte, werden wir noch in einem unserer letzten Bücher abschaffen. Es ist wahr, dass im HANDEL seinerzeit unglaublich viel einfach "gemacht" wurde - trotz dessen, dass Faller auch dem mittels klar geregelten Geschäftsbeziehungen von Beginn an versuchte, Herr zu werden. Aber wenn munter lustig Fahrzeuge in Geschenkpackungen getauscht wurden, weil der Bub vor der Ladentheke den Käfer statt den 17M in der Box haben wollte, da wird es dem ein oder anderen Verkäufer sicherlich egal gewesen sein - Hauptsache Umsatz
Seitens Faller war so gut wie JEDE (!) für uns heute kurios erscheinende Bestückung oder "Abweichung" vom Normalen bewusst und geplant. Das bedeutet, dass jede Farbe exakten Farbvorgaben nach zusammengestellt und gemischt wurde - anders ließe sich allein schon nicht erklären, wie viele Modelle teils über Jahrzehnte hinweg mit identischen Farbnuancen produziert werden konnten.
Und "so gut wie" bedeutet für mich ca. 99,99%. Die absoluten Ausnahmen finden sich in unseren Büchern und selbst diese sind mit entsprechendem Hintergrundwissen sogar erklärbar, da ich teilweise sogar mit den Menschen gesprochen habe, die diese Kuriositäten vor Jahrzehnten fertigten.
Ein Beispiel im Anhang, nur als Grund-Idee: Der Opel Diplomat wurde wie die vielen hundert anderen Artikel einem klaren Konzept und Prozess nach gefertigt. Auch in den 60er Jahren gab es Waagen, gab es Thermometer - und gab es TONNENWEISE Ausschuss, wenn etwas der ersten bzw. zweiten Kontrolle missfiel. Weißliche Maserungen in den pink- und blautönen - sind bekannt. Seltener mal in Rottönen, unfassbar selten schwarze Maserungen in rot- bzw. grüntönen. Wenn so wahllos alles zusammengekippt worden sein soll - wo sind dann die abertausenden Karosserien, wo man extreme Farbnuancen findet? und Maserungen, wenn man mal auf nicht-gereinigte Maschinenteile zu sprechen kommen möchte? Nein, tut mir leid, bei Faller gab es das schlichtweg nicht. Punkt. Faller war für die damalige Zeit bemerkenswert weit und hochentwickelt in der Prozessabwicklung - wie sonst, hätte allein im Startjahr des Auto Motor Sport ein Umsatz von über 30 Millionen DM erzielt werden können, wenn nicht alles bis ins letzte Detail durchdacht und kontrolliert wird? Wer sich mal allen ernstes in die Tiefe Gedanken macht, was allein das Ersatzteilgeschäft - mit TAUSENDEN von Händlern im In- und Ausland - an Organisationsaufwand bedeutet hat, wenn Optiker Müller 10 Schleifer und 50 Ersatzkohlen bestellen konnte... - von den gezeigten Produktionsdatenblättern existieren über 6.000 Stück, teilweise inklusive Arbeitsplatzbeschreibungen, bei der die Arbeiter die exakten Griffreihenfolgen beim Produktionszyklus der manuellen Fließbandarbeit vorgegeben bekommen haben: "Rechte Hand greift Styroportbeutel, linke Hand greift Schublade A Ablagefach 2. Linke Hand setzt Montageteil 742 in Mulde B..." und so weiter...
Das finale Werk wird vieles auflösen und Fa.Faller an die Position ihrer Zeit heben, die sie sich erarbeitet und verdient haben.
Und dabei geht es nicht darum, wer von wem wann welche Idee "geklaut" oder nachgemacht hat oder wer wann welchen "falschen" Schritt gewagt oder welches Modell nicht dem Maßstab entsprach oder sowas, nein. Es geht vor allem darum zu erkennen, dass es ein Wirtschaftsunternehmen war, dass seiner Zeit weit voraus gewesen ist, mit einer Innovations- und Schöpfungskraft, die nachhaltig Maßstäbe setzt und einer Prozessorientierung, von der sich heute - vor allem im Mittelstand - Millionen Betriebe in Deutschland noch meilenweit entfernt befinden. Und es wird Mysterien beleuchten, die die letzten Jahrzehnte die Sammler-Welt beschäftigt haben - sei es der Verbleib der Formen, Geschichten von versunkenen Schiffen und verschollenen Güterwaggons und vieles vieles Mehr....!
In diesem Sinne, in den kommenden Tagen noch ein wenig mehr Rückmeldung meinerseits und bis dahin - allzeit Gute Fahrt
erst Mal herzlichen Glückwunsch zu eurem Nachwuchs. Die neue Hütte reicht hoffentlch noch - oder du musst deine Fallersammlung auslagern .
Dann auch danke für die Klarstellung: Als jemand der den Hauptteil seines Beruflebens in einem mittelständigen Fertigungsbetriebs gearbeitet hat, kann ich mir so einen laxen Umgang - ohne akribische Produktkontrollen - auch nicht vorstellen.
(31-08-2025, 09:10)Sytronic47 schrieb: ... dieses eine "Mysterium" ... werden wir noch in einem unserer letzten Bücher abschaffen...
Wow, da kommt also noch mehr. Ich wede mein Bücherregal noch Mal erweitern .
ciao michaelo ... und wer zuletzt aufgibt gewinnt.
Ich wage hier Sebastians Ansichten betreffend exakter Farbwiedergabe teilweise zu widersprechen. Dafür existieren einfach zu viele Nuancen. Es ergibt schlichtweg keinen Sinn, Farbmischungen im derartigen Feinbereich bewusst zu verändern. Es handelt sich um Spielzeug. Klein-Albert ist es hundertprozentig egal, ob sein Mercedes grünlichhellwasserblau oder gräulichhellwasserblau gegossen wurde. Man sollte auch nicht vergessen, dass sich einige Farben auch erst mit dem Alter veränderten.
Eine mögliche Erklärung, weshalb einige Farbtöne über Jahre und viele Chargen fast nicht änderten, andere hingegen mehr, könnte sein, dass verschieden grosse Portionen gemischt wurden. Oder, dass einige Mischungen einfacher umgesetzt werden konnten, weil der Anteil an der Grundfarbe grösser war, als an heiklen Mischungen mit vielen Komponenten.
Ich möchte die Qualität der Fallerschen Produktion keinesfalls schmälern, aber dass jeder heute existierende Farbton ein bewusster Entscheid gewesen sein soll, ist schlicht nicht schlüssig. Auch mit Waagen und anderen Hilfsmitteln waren in der späteren Nachkriegszeit kleine Unterschiese offensichtlich nicht zu vermeiden. Das macht das Sammeln ja heute so spannend - aber eben auch uferlos.
08-09-2025, 03:59 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 08-09-2025, 04:08 von Ulrich.)
Danke für die Erläuterungen, Sebastian. Und Glückwunsch zu Zwillingen. Da geht's erst mal rund ... .
Die zahlreichen Farbnuancen sind spannend, auch in der realen Autowelt wurden, bevor die Metalliclackierung die Regel wurde, die Farben stetig immer wieder neu gemischt. Die Farbpaletten des Käfers n den 50er und 60er Jahren zeigen es exemplarisch auf.
Ob jede Fallerfarbnuance hier bewusst angemischt oder bei kleinen Abweichungen nur toleriert wurde, werden wir wohl nicht mehr rekonstruieren können. Klar ist aber, dass das, was das Werk verliess, eben "Original Faller" war. Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten weiss marmorierten hellblauen 356er. Später gab es das dann nicht mehr. Das zeigt auch, das die Entwicklung und Produktion immer weiter verfeinert wurde.
Als Kind habe ich mich schon damals zunächst über den Chrom geärgert, wiewohl ich den 230 SL faszinierend fand, insbesondere als frühe Ausführung noch mit den grauen Felgen in der Vitrinenschachtel mit der "Selen-Ersatzgleichrichterplatte". Ansonsten war mir das aber alles zuviel Bling-Bling. Der Cadillac und der FIAT haben mich dann aber damit versöhnt. Aber etwa ab da wurden die Farben verlässlich reproduziert. Was die Sache an sich ja auch langweiliger macht ... . Heute jage ich den frühen Kopien nach, ein hellgelber Ford etwa, der mir durch die Lappen ging und ein schwarzer Käfer, den ich erbeuten konnte.
Diese ganzen akribisch geführten Unterlagen bei der Firma Faller müssten doch eigentlich auch hergeben, ab wann und bis wann welche Motor- und Chassisvarianten in welcher Karosserie verbaut wurden? Das ist noch ein weites Feld, Mathis' ebenfalls akribischer Dokumentation zum Trotz.
Ein "letztes" Buch, lieber Sebastian, sehe ich deshalb eher noch nicht am Horizont, eher ein vor- oder vorvorletztes ... .
Und dann kommt ja noch die Einordnung der Modelle in die damalige gesellschaftliche Rangordnung. Der Unternehmer mit dem 220 S auf dem Weg zu seiner Villa im Tessin, der Prokurist mit dem FIAT 1800 zum Hotelcafe in den Schwarzwald, Der Angestellte mit dem 17m zur Fremdenpension mit aufgemaltem Reh an der Hauswand, der Arbeiter mit dem VW zum Bauernhofzimmer in die Sommerfrische. Und alle fanden sich dann zusammen zum Waldspaziergang mit Hochsitz oder Bergkapelle. Für alles hatte Faller das passende Umfeld im Sortiment. Das ist das eigentliche Faszinosum und zugleich, ich wage es zu sagen, Kulturgut als Abbild einer Zeit, die wir heute wohl als verloren ansehen müssen. Eine entsprechende Faller Renaissance und umfassende Würdigung des Gesamtwerks durch den Kunst- und Kulturbetrieb steht deswegen meiner Meinung nach eigentlich noch bevor.
(08-09-2025, 03:59)Ulrich schrieb: Und dann kommt ja noch die Einordnung der Modelle in die damalige gesellschaftliche Rangordnung. Der Unternehmer mit dem 220 S auf dem Weg zu seiner Villa im Tessin, der Prokurist mit dem FIAT 1800 zum Hotelcafe in den Schwarzwald, Der Angestellte mit dem 17m zur Fremdenpension mit aufgemaltem Reh an der Hauswand, der Arbeiter mit dem VW zum Bauernhofzimmer in die Sommerfrische.
Servus Ulrich, das hast Du sehr treffend beschrieben. Vor allem das aufgemalte Reh an der Hauswand , zwar sehr spießig, aber auch irgendwie kultig aus heutiger Sicht. Es fehlte nur noch das Studentenpärchen mit Ente oder R4 beim Camping, aber es gab von Faller ja weder den 2CV noch den R4, dafür heute von begabten Resingießern.